Wir müssen reden! – Einladen, Überbringen und Überleben von schwierigen Nachrichten
Workshop
Beschreibung
Die Nachzahlung ist fünfstellig, die Insolvenz droht, die Gehaltserhöhung abgelehnt; vielleicht steht sogar die Kündigung an. Solche Gespräche schieben fast alle auf, und wer sie führt, trägt sie oft noch Tage lang mit sich herum.
Dabei wären solche Gespräche mit einem geordneten Ablauf, trainierter Resilienz und einer gesunden Portion bewusster Distanzierung wesentlich leichter und nachhaltiger.
Dieses Seminar gibt den Teilnehmer:innen einen geordneten Ablauf, der in der Medizin seit 25 Jahren erprobt ist (das SPIKES Protokoll) und übersetzt ihn in den Kanzleialltag. Geübt wird an eigenen Fällen (ließ: wir arbeiten an unmittelbar hilfreichen Lösungen). Dazu kommt, wie Überbringer:innen selbst stabil und handlungsstark bleiben, wie Führungskräfte Entscheidungen ohne Entscheidungsreue treffen und wie sich die Folgen der Gespräche steuern lassen.
KI kommt optional als unterstützende Sparringspartnerin für Vorbereitung und Nachbereitung zum Einsatz. Es zählt aber das Menschliche!
Voraussetzungen bzw. Vorkenntnisse
Keine fachlichen Voraussetzungen.
Erforderlich: Bereitschaft, einen eigenen anonymisierten Fall (Mandant:innen- oder MA-Gespräch) einzubringen und im Rollenspiel zu üben. Arbeitsrechtliche Inhalte (z.B. Kündigungsrecht) werden nicht vermittelt, dazu bitte die anderen ASW Seminare genießen.
Zielgruppe
Berater:innen, Führungskräfte, Teamleitung, Mitarbeitende, Personen mit Kund:innen Kontakt, Prüfungsleiter:innen
Inhalt
- Warum wir schweigen: Der MUM-Effekt, Aufschieben und seine Kosten (Auswirkung auf Warnpflicht, Haftung, Vertrauen)
- Haltung schon _vor_ dem Gespräch: Analyse mit dem Opfer/Gestalter-Modell, Einflusskreis erweitern, Opfersätze in Gestaltersätze übersetzen, Ressourcen schaffen
- Das Protokoll SPIKES in der Kanzlei-Version REDEN: Kernbotschaft klar formulieren, Priming nutzen, bewusstes Framing und weitere Methoden
- Umgang mit fremden Emotionen: Ausdruck und Bedeutung verorten, Stille aushalten, Verhandlungsversuche erkennen
- Umgang mit eigenen Emotionen: Resilienz für Überbringer:innen aufbauen, eigene Resilienzfaktoren stärken, persönlichen Check-In können, Routinen vor/während/nach dem Gespräch
- Entscheidung ohne Reue: Entscheidungsqualität statt Ergebnisglück, Pre-Mortem Entscheidungsprozess, antizipierte Reue nutzen
Angepasst an die Bedürfnisse der Teilnehmenden des Seminars:
- Praxiswerkstatt Mandant:innen: Üben von z.B. Steuernachzahlung, Insolvenz, Sanierung, Betriebsprüfung, Honorarerhöhung,... Wie kommunizieren?
- Praxiswerkstatt Mitarbeiter:innen: Kritik, Gehalts- und Beförderungsfragen, Minderleistung, Trennung, Rollen, Würde, Wirkung auf das Team… Wie kommunizieren?
- Tools für das Steuern der Folgen: Nachsorgeplan für Mandaten:in, Mitarbeiter:in und Team, sinnstiftendes Follow-up, koordiniertes Peer-Tandem,... angepasst auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden des Seminars
- Ausblick auf KI als unterstützendes Werkzeug, dabei menschlich zu bleiben
Ziele
Die Teilnehmenden gewinnen Sicherheit beim Überbringen schwieriger Nachrichten an Mandant:innen und Mitarbeiter:innen. Sie üben ein erprobtes Protokoll (SPIKES bzw. die kanzleioptimierte Version REDEN), stärken ihre eigene Resilienz und lernen die Gesprächsauswirkungen auf Mandat, Person und Team bewusst zu steuern. Führungskräfte werden befähigt, Entscheidungen so zu treffen bzw. zu dokumentieren, dass keine Entscheidungsreue mehr entsteht.
Lernergebnisse
Nach Abschluss dieser Lerneinheit sind Sie in der Lage:
- ein schwieriges Gespräch mit Mandat:innen oder Mitarbeiter:innen mit dem Sechs-Schritte-Protokoll (SPIKES/REDEN) vorzubereiten, zu führen und abzuschließen.
- eine schlechte Nachricht in drei Sätzen klar und respektvoll zu formulieren und den passenden Kanal dafür zu wählen.
- emotionale Reaktionen beim Gegenüber produktiv aufzunehmen ohne Optionsverluste zu spüren
- emotionale Reaktionen bei sich selbst als Muster zu erkennen und mit Resilienzroutinen zu stärken
- Handlungsspielräume zu eröffnen, um auch eine schwierige Nachricht nutzbar zu machen
- Führungsentscheidungen mit Pre-Mortem und Entscheidungstagebuch so zu treffen und zu dokumentieren, dass keine Entscheidungsreue entsteht.
- die Folgen eines Gesprächs für Person, Mandat und Team mit einem Nachsorgeplan zu steuern.
Notwendige Arbeitsmittel
Ein eigener anonymisierter Fall (am besten knapp und pointiert schriftlich vorbereitet). Für optionales KI-Sparring ein KI-fähiges Gerät
Lehr-/Lernformat
Präsenz-Workshop mit Demonstrationen, kurzen Impulsen zu Übungen und Praxis, Rollenspiel Sequenzen und strukturierten Reflexionsrunden. Fallarbeit an eigenen anonymisierten Situationen Peer- und Trainer-Feedback Videoanalyse auf eigenen Wunsch